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INTERPOL Live:
16.11.2007 München - Tonhalle
17.11.2007 Berlin - Columbiahalle
19.11.2007 Köln - Palladium
24.11.2007 Hamburg - Docks
Weitere Infos zur Tour unter: www.karsten-jahnke.de
INTERPOL
„Our Love To Admire“
In den vergangenen fünf Jahren haben die vier stets distinguiert gekleideten Herren von Interpol den Sprung von New Yorker Lokalmatadoren zu einer weltweit gefeierten Band geschafft. Erreicht haben sie dies durch eine äußerst strenge Arbeitsmoral, die sie zu Hunderten von Konzerten zwischen Tampa und Tokio antrieb, durch einen Hang zu existentialistisch schlichter Theatralik und Dramatik und vor allem durch ihre zwei bisherigen Alben „Turn On The Bright Lights“ von 2002 und „Antics“ von 2004, für die Kritiker einhellig Lobesarien anstimmten. Der Rolling Stone jubelte bereits nach dem Debütalbum: „Keine neue Band strahlte in diesem Jahr heller als Interpol“. Und der Musikexpress bezeichnete sie gar „als nächste Supergroup des 21. Jahrhunderts“. Interpol haben die Coverseiten etlicher Magazine geschmückt und standen schnell hoch in der Gunst des Publikums, was sich sowohl in den USA als auch in Europa und Japan in etlichen Leserpolls niederschlug. Mit einem halben Dutzend EPs rund um ihre beiden Alben und einem denkwürdigen Beitrag zur Kultserie „Six Feet Under“ hat es das New Yorker Quartett zudem bestens verstanden, ihre Fangemeinde stets bei Stange zu halten.
Die positive Resonanz und der damit einhergehende kommerzielle Erfolg hat die Band nicht daran gehindert, von all dem unberührt ihren ganz eigenen Weg zu gehen. Jeder ihrer Schritte schien logisch auf den nächsten aufzubauen. Warum hat man bei dem dritten Album, „Our Love To Admire“, trotzdem das Gefühl, als stünde man am Anfang von etwas völlig Neuem? Vielleicht liegt es an den offenbar erholsamen und inspirierenden Ferien, die sich diese wie Nachtgestalten wirkenden Musiker als Vorbereitung für ihre neuen Songs gegönnt haben. Auch wenn das so unverkennbare wie von den Fans hoch geschätzte Flair des mühelos Mysteriösen eine feste Koordinate in der Klangarchitektur der Band geblieben ist, haben sich Interpol mit ihrem dritten Werk ganz neue Horizonte eröffnet.
„Nach der Tour zu ‚Antics’ haben wir das erste Mal seit den Aufnahmen für unsere erste Platte drei Monate Urlaub gemacht“, erklärt Gitarrist Daniel Kessler. „Und als wir wieder zusammenkamen, hatte sich alles geändert. Es war geradezu elektrisierend. Wir mussten ganz von vorne beginnen.“ „Turn On The Bright Lights“ war das Ergebnis von vier Jahren Mühen unter dem Radar, wohingegen „Antics“ zwischen zwei Tourneen im Proberaum der Band in New York City entstanden war. Nach den ersten Monaten des Jahres 2006, als jedes der Mitglieder seine wohlverdiente Auszeit nahm, trafen Interpol sich in Manhattan wieder und saßen vor einer blanken Tafel. Dieser Zustand hielt jedoch nicht lang an. Bald kam Daniel mit einem überfallartigen schnellen Riff an – und als Sänger Paul Banks, Bassist Carlos D. und Drummer Sam Fogarino sich erst einmal daran festgebissen hatten, wurde daraus schließlich „The Heinrich Maneuver“, die erste Single des neuen Albums, die, nach typisch New Yorker Manier, ein Abgesang auf die Verlockungen der West Coast ist und zugleich ein vor Lebenslust berstender Song mit dem Potential eines Smash-Hits. „Today my heart swings…“
Mit diesem musikalischen Ansporn gerüstet, legten die vier einen höheren Gang ein und schrieben den jetzigen Opener, das elegische, unter die Haut gehende „Pioneer To The Falls“. Dieser atmosphärisch dichte und berührend sakrale Opener gibt auf perfekte Art den Ton fürs ganze Album an. Die schwermütige Stimmung wird vor allem durch die Keyboards heraufbeschworen, nicht durch die für die Band sonst eher typischen Gitarren, und das war die volle Absicht. Zum ersten Mal hatte die Band schon beim Komponieren die Keyboardparts stets im Hinterkopf und räumte dieser elementaren Bereicherung ihres Sounds größtmögliche gestalterische Freiheit ein.
Obwohl die Band bekannt dafür ist, dass sie ihre Alben weitestgehend selbst produziert, entstanden im Laufe der Zeit so viele Songs, dass sie beschloss, Rich Costey (Muse, Franz Ferdinand, The Mars Volta) als Co-Produzenten zu engagieren. Die Chemie funktionierte: Costey verstand sogleich, worauf sie hinauswollten, und half ihnen, ihren Sound auf den neuen Songs auszuweiten. Es mag erstaunlich klingen, dass eine Band wie Interpol, die man so stark mit New York City identifiziert, tatsächlich noch nie in Manhattan aufgenommen hat. Um diesen Missstand zu beheben, gingen sie für „Our Love To Admire“ in die Electric Ladyland Studios im West Village. Die zwei Vorgänger hatten Interpol in einem Studio in Connecticut aufgenommen, wo die Band wohnte und arbeitete. Die klaustrophobischen Zustände dort hatten sich gut auf die Arbeit ausgewirkt, aber kosteten auch entsprechend viel Energie. Durch die Nähe zum Zuhause während dieser Aufnahmen war alles nun etwas entspannter. „Es hat unheimlich gut getan, das Studio zu verlassen und einfach abends in die Stadt zu gehen.“ Versteht sich von selbst, dass ihre Heimatstadt New York sie noch stärker inspirierte als je zuvor.
„Our Love To Admire“ ist einerseits unverkennbar Interpol, andererseits eindeutig neuartig. Wortgewaltig und pervers etwa ist „No I In Threesome“, eine pulsierende, von Carlos D.’s kraftstrotzendem Bass angetriebene Ode und zugleich ein Aufruf zum Aufruhr in einer in trügerisch sanften Fahrwassern gleitenden Beziehung; „Pace Is The Trick“ dagegen ist geradezu zärtlich und liebevoll beobachtend – plus ein weiterer Beweis dafür, dass diese vier New Yorker nach wie vor Meister der perfekten Dramaturgie sind – man vergegenwärtige sich allein die schmerzhafte Pause just bevor die donnernden Drums von Sam wieder einsetzen und die sündhaft schöne Leadgitarre von Daniel. Dem ganzen Album merkt man an, wie verführerisch die Band in ihren Songs voller Zuckerbrot und Peitsche mit solch Nervenkitzel umgeht, vor allem aber tritt dies bei „Mammoth“, „Who Do You Think“ und dem lyrischen Kernstück des Albums, dem gespenstischen „Rest My Chemistry“, zutage. Klar, dass Daniel stolz auf Songs von diesem Kaliber ist. Doch er warnt auch davor, die Texte zu autobiographisch verstehen zu wollen. „Wir überlassen die Interpretation immer unserem Publikum“, sagt er. „Ich finde, man sollte sich nicht, wenn man einen Film zum ersten Mal sieht, gleich den Kommentar des Regisseurs dazu anhören!“
Den krönenden Schluss ihres grandiosen dritten Albums, in dem so viel Grazie, Grandezza und spielerische Grabesstimmung verborgen ist, bildet “The Ligthhouse”, ein in dieser Form absolut unerwartetes Klagelied, mit dem die Band sich ein Denkmal gesetzt hat. Dieser finale Track kommt fast völlig ohne Percussion aus und baut auf Daniels wehmütiger Gitarre und Pauls spartanisch knappen Gesang auf. Nicht nur bildet es einen ihrer bislang schönsten Momente, es ist auch der Song des Albums, der einem am ehesten Schauer über den Rücken jagt – solche reflexartigen Schauer, wie man sie bei den überwältigenden Liveshows von Interpol immer wieder erlebt. Dieses Stück war das letzte, das die Band für das Album aufnahm und sie beteuern, es sei auch am schwierigsten einzuspielen gewesen. Die hypnotisierende Gitarrenmelodie spielte Daniel auf einem 50 Jahre alten Instrument, dessen Saiten Giftstoffe enthielten, so dass er Schmerzen und Blasen an den Fingern bekam. Die Band war sich noch nicht einmal sicher, ob sie diesen Song wirklich veröffentlichen sollte, doch als sie dann Pauls ungewöhnlichen Gesang hörte, war sie sprachlos. Wie bei dem gesamten Album, so gibt es auch bei diesem Song kein richtiges Ende. Es scheint eher langsam auszubluten – eine Coda voller Echos, Streichern und Feedback. Ein würdiges dramatisches Ende für eine beeindruckende, wenn nicht gar beglückende Reise. „Our Love To Admire“ ist für Interpol ein künstlerischer Quantensprung wie er etwa Radiohead seinerzeit mit „O.K. Computer“ gelungen war – ebenfalls ihr drittes Album. And here comes another great album to admire, indeed.




